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Zum Hochfest Elisabeth von Thüringen

Elisabeth führt uns zu Christus hin

Ich nehme eine Rose, die Königin der Blumen. Die Farbe, der Duft, sie leuchtet in alle Sinne. Sie ist einfach wunderschön.

Ich will ihr Geheimnis entdecken: Das Geheimnis ihres Leuchtens! Das Geheimnis ihrer Wildheit und Ordnung! Das Geheimnis ihrer Schönheit!

Ich will hinter das Geheimnis ihres Duftes kommen. Ich nehme sie auseinander. Ich dringe immer tiefer in sie vor. Ich zerlege sie in kleinste Teile. Und hätte ich ein Mikroskop, ich könnte sogar in die kleinsten Teile hineinschauen.

Und! Kenne ich dann ihr Geheimnis, wenn ich sie zerpflückt und zerlegt habe? Ein solcher Weg vermehrt zwar mein Wissen, aber er lüftet nicht das Geheimnis.

So ähnlich kann es einem gehen, wenn man sich mühsam, Schritt für Schritt, mit Heiligen auseinandersetzt: Heute mit der Heiligen Elisabeth von Thüringen.

Sie ist nur 24 Jahre alt geworden. Aber es reichte, um heilig zu werden. Wir würden heute sagen: Schade, so ein junges Leben. Sie hat ja gar nicht richtig gelebt.

Wir erinnern uns kurz: Sie wird 1207 auf der Burg Saros Patak in Ungarn geboren. Schon mit vier Jahren muss sie aufbrechen und ihre Heimat verlassen. Elisabeth kommt an den thüringischen Hof. Und schon bald muss sie schmerzliche Erfahrungen machen: 1213 wird ihre Mutter ermordet. 1215 stirbt Markgraf Hermann, der sie in ihrer neuen Umgebung väterlich beschützt hatte. Und schließlich: 1227 stirbt ihr Gatte Ludwig auf dem Weg zum Kreuzzug ins Heilige Land. Ihr drittes Kind ist zu dieser Zeit noch nicht geboren.

Ein großes Paket schmerzlicher Erfahrungen – vielleicht die dornigen Anteile an diesem Heiligenleben!

Früh entwickelt sie ein waches Gespür für die Ungerechtigkeiten in ihrer Umgebung, den krassen Gegensatz zwischen verschwenderischem Leben auf der Burg und der bitteren Armut des einfachen Volkes in den Dörfern.

Trotz ihrer hohen Stellung als Landgräfin, und das ist das beeindruckende an ihr, zieht sie sich nicht in eine heile Welt zurück.

IMG 20191119 WA0000Langsam beginnt diese Rose zu wachsen und zu blühen.

Elisabeth steigt aus. Sie durchbricht die Mauer zwischen dem Reichtum auf der Burg und der Armut der Bauern. Sie geht von oben nach unten. Sie bricht in ihrem Denken, Urteilen und Verhalten aus der Sicherheit der Wartburg, ihres Standes und ihrer Zeit aus.

Sie schaut mit anderen Augen auf die ihr anvertrauten Menschen. Sie öffnet Türen und Vorratskammern und teilt von ihrem Reichtum aus. Ihre Hände verteilen Brot und alles, was sie zum Verschenken hat. Sie badet Aussätzige und verbindet Wunden.

Was sie hergibt, ist aber mehr als Nahrung und Kleidung. Das ist Ausdruck von Liebe, die Freude und Farbe ins Leben der Armen bringt, wie blühende Rosen.

Die Legende vom sog. Rosenwunder widerspiegelt ihren Tatendrang und führt zu ihrem eigentlichen Geheimnis.

Ihr Mann Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, soll seine Frau, die mit einem brotgefüllten Korb die Burg herab stieg, gefragt haben: „Was trägst du da?“ „Rosen, Herr“, antwortete sie mit demütiger Miene. Ungläubig sah er selbst in den Korb und fand statt der eben eingepackten Brote unter dem Tuch lauter frisch duftende Rosen.

Ein neues geistliches Lied unserer Zeit führt uns weiter in die Mitte, in das Herz dieser Frau: Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht - Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt, dann wohnt er in unserer Welt.

 

ER ist der Beweggrund ihrer Selbstlosigkeit. Christus hatte bei ihr den Ehrenplatz. Es kam vor, so wird berichtet, dass sie beim Eintritt in die Kirche die Krone vom Kopf nahm, sie neben sich legte und sie erst nach Beendigung des Gottesdienstes wieder aufsetzte. „Wie kann ich eine goldene Krone tragen, während unser Herr eine Dornenkrone trägt? Und er trägt sie für mich!“ So Elisabeth!

Immer wieder kniet sie vor dem Gekreuzigten, um so in sein Wort einzudringen und immer tiefer zu verstehen.

Wer ihr Geheimnis lüften will, der muss sich wahrlich niederknien. Nur betende Menschen werden von innen her gesund und froh.

Und ihr Leben bleibt menschlich, anziehend und von innerer Freude begleitet. Elisabeths Geheimnis ist ihre Bereitschaft, sich von der gekreuzigten Liebe Jesus ergreifen zu lassen und sie in den Augen der Menschen zu erkennen.

 

So setzt sie ihre irdischen Güter ein. Sie weiß, dass diese Dinge letztlich nur ihren Sinn darin haben, uns für ein Leben aus der Kraft der Liebe frei zu machen.

Denn: Bildung allein kann isolieren. Arbeit kann auffressen. Wohlstand kann träge machen. Die schönste Wohnung kann zum Ghetto werden.

Elisabeth setzt ein anderes Vorzeichen vor ihr Leben. Und zeigt so der ganzen Welt das Geheimnis ihres Leuchtens, das Geheimnis ihrer inneren Schönheit.

Ihr innerer Blick ist auf Christus zentriert, von dem es im Stundengebet der Fastenzeit heißt: Du bist der Schönste von allen Menschen. Ihr Blick lässt sich aber auch nicht irritieren, wenn dieser Schönste der Menschen unansehnlich wird. „Nicht Schönheit war an ihm noch edle Gestalt. Sein Gesicht war entstellt.“ So das Stundengebet der Karwoche.

Elisabeth glaubt trotzdem an diesen Gott, der sich gerade in der entstellten Gestalt des Gekreuzigten als Liebe „bis zum Letzten“ geoffenbart hat. Sie spürt das mit allen Fasern ihres Geistes und lebt es aus mit ihrer ganzen zierlichen Existenz.

 

Sie will uns klar machen, dass diese entstellte Schönheit die Wahrheit bleibt, auch wenn sie Verwundung, Schmerz und das dunkle Geheimnis des Todes mit einschließt.

Christus wirkt für sie wie eine heilende Erschütterung, die den Menschen herausreißt aus der Zufriedenheit des Alltags und hinreißt zur Ekstase einer unbändigen Liebe.

Was bleibt? Was ist nun das Geheimnis und Vermächtnis von Elisabeth? Ich denke, sie hat etwas gemeinsam mit dem Geheimnis der Rose, der Königin der Blumen.

Beide lassen uns die gekreuzigte, aber erlösende Schönheit in Christus erahnen.

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